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Leichtathletik-WM

Uwe Martin / 04. August 2017

 Marc Reuter will bei der WM in London angreifen

Er war erst vor Kurzem als Tourist in der britischen Hauptstadt. Zusammen mit seiner Schwester hat er Verwandte und Freunde besucht, ein paar zwanglose Stunden verbracht. Doch wenn Marc Reuther am heutigen Donnerstag das Flugzeug nach London besteigt, dürfte er ganz andere Gedanken im Kopf haben. Der 800-Meter-Läufer des Wiesbadener LV (WLV) hat am Samstag seinen ersten Auftritt bei einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft: Um 13.45 Uhr deutscher Zeit beginnen die Vorläufe über die 800-Meter-Distanz der Männer. Der 21-Jährige hatte sich mit einer persönlichen Bestzeit von 1:45,22 Minuten für die globalen Wettkämpfe an der Themse qualifiziert.
Reuther, der sich in den vergangenen Tagen im Trainingslager im Bundesleistungszentrum Kienbaum, rund 40 Kilometer östlich von Berlin, auf die WM vorbereitete, ist die Ruhe selbst – noch. „Ich bin momentan total entspannt. Wenn ich dann mal vor Ort bin, das Stadion und ein paar Konkurrenten sehe, dann werde ich vielleicht ein wenig nervös, aber derzeit ist alles relaxed.“
Der Auftritt in London ist ohne Zweifel das Highlight in der bisherigen Karriere des gebürtigen Düsseldorfers; ein Umstand, der ihn allerdings nicht nachhaltig zu beeindrucken scheint. „Ich weiß, dass ich nichts zu verlieren habe und topfit bin, keinerlei Beschwerden habe. Ich fühle mich definitiv bereit für die WM. Das ist der absolute Saisonhöhepunkt.“
Vorbei und vergessen das eher durchwachsene Abschneiden bei der U 23-EM in Polen Mitte Juli, als Reuther in einem unruhigen 800-Meter-Finale zu Bronze lief. „Wir haben über diesen dritten Platz gar nicht mehr groß gesprochen. Das war jetzt nicht der schlimme Unfall, wie es für uns zunächst aussah. Zumal Marc, in dem Moment, in dem die WM-Qualifikation feststand, gedanklich eigentlich eh schon in London war“, analysiert WLV-Coach und Mittelstrecken-Bundestrainer Georg Schmidt. „Ich habe das vor zwei, drei Wochen gemerkt. Ein paar wenige Prozentpunkte haben da mental einfach gefehlt, weil er mit dem Kopf schon bei der WM war.“
Bei einem der insgesamt sechs Vorläufe in London müsste Reuther einen der ersten drei Plätze belegen, um sicher ins Halbfinale am Sonntagabend vorzustoßen. Zusätzlich qualifizieren sich die sechs Zeitschnellsten.
Ein konkretes Ziel will der Athlet derweil nicht ausrufen. „Ich wäre auf jeden Fall zufrieden, wenn ich aus dem Rennen rausgehe und einfach weiß, dass ich alles probiert habe. Ich wäre wütend auf mich selbst, wenn ich nachher sage: Ich habe mich nicht getraut. Bei den 800 Metern ist ja oft so, dass man doch ein paar Chancen bekommt – und dann muss man halt zu 100 Prozent da sein.“
Zumal er sich in Großbritannien mit der weltweiten Laufelite messen muss. Daran ändert auch die WM-Absage von Kenias 800-Meter-Weltrekordler David Rudisha nur wenig, der aufgrund einer Muskelzerrung im Oberschenkel nicht an den Start gehen kann.
„Es sind alles gute Leute dort. Es gibt sicher welche, die sind deutlich besser als ich, einige sind auf dem gleichen Level, andere sind vielleicht schlechter. Aber damit beschäftige ich mich auch gar nicht. Ich denke, man hat gegen jeden irgendwie eine Chance“, blickt Reuther voraus. „Und die Zeiten sind vollkommen irrelevant. Ich laufe lieber keine gute Zeit und bin dafür eine Runde weiter als umgekehrt. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, voll zu attackieren und auch mal auf Risiko zu gehen.“
Eine Strategie ganz nach dem Gusto seines Trainers: „Marc soll sich taktisch gut präsentieren. Und so lange er das macht und etwas riskiert, erfüllt er alle unsere Vorgaben“, so Schmidt. „Wenn er sich zurückhält, das wäre schon enttäuschend, aber so lange er etwas investiert, dass der Lauf schnell wird, kann er sich nichts vorwerfen lassen.“
Quelle: Wiesbadener Kurier/Matthias Laux

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