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Junge Sterne- Pressebericht

Uwe Martin / 01. Juni 2017

Anissa Tammaoui ist die geborene Mehrkämpferin

Ob sie den Speer wirft, über die Hürden sprintet, über die Hochsprunglatte segelt oder in die Weitsprunggrube fliegt – Anissa Tammaoui hat enormen Spaß dabei. Und sie ist richtig gut in dem, was sie macht. Im Winter wurde die 16 Jahre alte Schülerin Fünfte bei den deutschen Hallenmeisterschaften im Fünfkampf der unter 18-Jährigen.

Ihr Trainer Thorsten Groß bescheinigt Anissa großes Talent. Trotz der noch nicht ausgereiften Technik liefert die Wiesbadenerin starke Zeiten und Weiten sowie hohe Punktzahlen im Mehrkampf. „Noch passt das technische Niveau nicht so richtig, aber das ist gleichzeitig ihr größtes Potenzial. Wenn sie das zusammen mit ihrer extrem guten Grundbasis, den Kraft- und Schnelligkeitswerten, hinbekommt, kann sie weit kommen“, erklärt Groß. Das ist dahingehend erstaunlich, da Anissa erst in der siebten Klasse in den Wiesbadener Leichtathletik-Verein (WLV) eingetreten ist. Mittlerweile trainiert sie fünf- bis sechsmal in der Woche. Vorher hat sie mal ein Jahr Tennis gespielt und ein Jahr getanzt. In ihrer Schule wurden in der 5. Klasse dann Leichtathletik und Basketball angeboten. „Da bin ich halt mal hin. Es hat mir gefallen. Zumal ich eh nicht so gut mit dem Ball umgehen kann“, erinnert sich Anissa.

Ihre Stärke liegt in ihrer Ausgeglichenheit. Eine Spezialisierung auf eine Disziplin wurde daher schnell verworfen, hätte keinen Sinn gemacht. „In meiner Trainerlaufbahn habe ich bisher wenig Athleten aus der U14 kommend gesehen, wo ich gesagt habe, die müssen Mehrkampf machen. Bei ihr war das so, denn sie ist überall richtig stark“, sagt Groß. Am vergangenen Wochenende hat die mehrfache Hessenmeisterin, die die Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin Jessica Ennis-Hill aus Großbritannien sowie die Rio-Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien bewundert, das wieder einmal bewiesen. Bei den Regionalmeisterschaften Rhein-Main in Gelnhausen trat sie im Hochsprung, über 100 Meter Hürden sowie im Speerwurf an, holte zwei Titel sowie einmal Silber. Hoch- und Weitsprung zählen neben den Hürden zu ihren Favoriten. Am wenigsten hingegen kann sie sich wie so viele Siebenkämpferinnen für die abschließenden 800 Meter begeistern. „Das ist am anstrengendsten“, gibt die Zehntklässlerin der Gutenbergschule zu. Dennoch meistert sie die ungeliebte Strecke in flotten 2:30 Minuten.

Nächster großer Wettkampf in den kommenden Wochen ist die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaft im kenianischen Nairobi. „Mein Ziel ist es, dort eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen“, sagt Anissa. Über eine Qualifikation denken weder sie noch Groß nach. Ihr Coach sieht die aktuelle Saison eher als Übergangsjahr, da sein Schützling zum jüngeren Jahrgang gehört. „Das erste Jahr in der U18 ist ein ganz schwieriges Jahr. Hier hören viele auf. Wir müssen sehen, dass Anissa technisch stabil wird. Sie bekommt ihr hohes Schnelligkeitsniveau noch nicht auf die Bahn“, sagt Groß. Auch deshalb haben er und Anissa viel auf nächstes Jahr ausgerichtet. 2018 soll die Norm für die Europameisterschaften in der Ukraine geknackt, am besten auch noch das Ticket gebucht werden.

Bei den deutschen Meisterschaften in diesem Sommer traut der Coach dem Teenager mit marokkanischen Wurzeln einen Platz unter den Top Acht zu. Groß arbeitet „sehr gern mit ihr“, schätzt den Trainingsfleiß seiner Athletin, deren Verlässlichkeit und die hohe Konzentrationsfähigkeit auf die eigenen Stärken. Nur manchmal lasse sie sich im Wettkampf noch von der Konkurrenz beeindrucken. „Aber das ist eine Erfahrungssache, das wird noch“, sagt Groß. Sie ist ja erst 16!

 

Quelle: Wiesbadener Kurier/Susan Dobias

 

Anissa Tammaoui

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